Heute möchten wir mit dem Kungsleden fortsetzen, und müssen dafür bei Aktse den Laitaure überqueren. Das ist zwar auch mit Ruderboot möglich, aber wir wollten nicht 3 Kilometer lang rudern, und wollen deshalb das Motorboot in Anspruch nehmen. Das fährt taglich zwei mal. Einmal um 9:00 und das andere mal um 17:00. Wenn wir die Fähre um 9 erwischen wollten, müssten wir wirklich früh aufstehen, und so entscheiden wir uns schon gestern für die spätere.
In der Nacht, um etwa 3:30 beginnt es zu Gewittern und wir hören einen lauten und langen Donner und die dicken Regentropfen prasseln nur so aif das Zelt. Wir schlafen aber nach einem kurzen Kontrollblick in unser Vorzelt unaufgeregt weiter. Als ich um 7 wieder kurz wach bin, regnet es immer noch oder schon wieder, und bin froh, dass wir uns für die spätere Bootsfahrt entschieden haben, weil wir sonst jetzt schon im Regen auf den Beinen wären. So schlafen wir aber bis der Regen vorbei ist und die Sonne scheint. Wir stehen total entspannt auf, frühstücken in Ruhe ein paar Knäckebrote und verbringen dann Herr der Ringe lesend den Vormittag in der Sonne. Dabei legt sich Leon auf einen großen Stein und nimmt wie eine Eidechse ein Sonnenbad. Ich ziehe mich aber ins Zelt zurück. Von der Landschaft inspiriert haben wir beide begonnen Herr der Ringe zu lesen.
Wir chillen also so bei unserem Zeltplatz bis wir um 12 langsam an Mittagessen
denken. Nachdem wir wieder einmal Nudeln mit Pesto gegessen haben, bauen wir
das Zelt ab, und machen uns um 14 Uhr auf den Weg nach Aktse. Dort angekommen
sehen wir 2 Mal den Helikopter für eine Gruppe Wanderer*innen landen, und mit
den Tourist*innen gefüllt wieder abheben. Weil bis 17:00 noch mehr als genug
Zeit ist, und der Shop erst um 16:00 aufsperrt lassen wir unsere Rucksäcke bei
den Hütten zurück und gehen hinunter zum See. Das dauert eine viertel Stunde,
und dann badet Leon in dem See. Sein Fazit war aber dass der Bergsee in dem wir
an Tag 8 gebadet haben besser war. Das
Wasser war schöner und tiefer, wenn auch kälter als hier. Als sich Leon wieder
die Schuhe bindet zerreißt ihm ein Schnürsenkel. Er kann den Riss temporär mit
einem Knoten überbrücken. Wir haben zwar Ersatzschnürsenkel dabei, die sich
offenbar auch bewähren, aber die haben wir bei den Hütten gelassen.

Nach der Badepause gehen wir noch einmal hinauf nach Aktse und gehen dort in
dem Shop das voraussichtlich letzte Mal am Kungsleden Proviant einkaufen und
lassen uns noch ausreichend Bargeld herausgeben, damit wir die Fähre bezahlen
können. Danach sitzen wir noch ein bisschen bei den Picknicktischen bei den
Hütten und essen die Reste unserer Schokolade bevor wir, diemal mit Gepäck,
wieder zum See hinuntergehen. Das Motorboot hat noch von irgendwo anders (von
hier aus kann man sich auch den Fluss hinauf in das Rapadalen bringen lassen,
und von dort im Sarek wandern) Leute abgeholt und kommt ein bisschen verspätet
am Anleger an. Wir steigen ein, und werden gemeinsam mit einem polnischen
Pärchen und einem spanischsprachigen Pärchen ans Südufer des Laitaure gebracht.
Während der Überfahrt sehen wir zum letzten Mal den Nammásj aus einer für uns
neuen Perspektive.

Am anderen Ufer angekommen tauschen wir noch Leons, beim Badeausflug zerrissenes, Schuhband gegen eins der mitgenommenen Ersatzbänder aus und marschieren los. Hier ist die Vegetation erstmals auch mit Nadelbäumen. Das hatten wir bis jetzt am Kungsleden noch gar nicht. Zudem sind die Bäume hier tendenziell größer und dicker als sie es bisher waren. Die Fähre ist um kurz vor 18 Uhr angekommen, und wir haben uns vorgenommen die etwa 5 Kilometer lange Etappe bis zu den zwei Armen des Suobbattjåhkå zu gehen. Schnellen Schrittes gehen wir los und genießen den angenehmen Waldboden. Hier ist es nicht gatschig, nicht steil und man muss keinen Parcours über große Steine hinlegen um weiterzukommen. Am Boden sind viele kleine bis mittelgroße Steine und viele Wurzeln aber die stören nicht weiter.
Auf den ersten Metern haben wir beim Blick zurück noch die Gelegenheit den
Skierffe von seiner anderen Seite zu sehen. Auch den Tjahkelij sehen wir im
Laufe der heutigen Etappe aus verschiedensten Winkeln. Aus keiner unserer
Ansichten sieht er so aus als könnte man ihn gut besteigen. In der Umgebung des
Weges stellen wir fest, dass hier viele tote, umgefallene Bäume herumliegen,
und es dauert nicht lange, bis einer am Weg liegt. Da führt der Weg aber
einfach drum herum, und es ist ein deutlicher Pfad ausgetreten. Der alte Pfad,
der jetzt durch den Baumstamm verliefe wird derweil langsam von der Natur
zurückerobert. Das ist ein Anblick der mich sehr fasziniert. Etwas später
kommen wir an einer Stelle vorbei, an der der nötige Umweg offenbar zu groß
war, und der Baumstamm deshalb mit der (Motor-)Säge geteilt wurde, um so den
Wegesverlauf nicht zu stören.


Wir laufen auch noch durch ein “Tor”, dass ein
sehr stark über den Wanderweg gebogener Baum erschafft, und erreichen dann den
Fluss Suobbattjåhkå. Hier finden wir schnell einen Zeltplatz. Der Fluss teilt
sich ein paar hundert Meter flussaufwärts in zwei Arme und zwischen den Beiden
schlagen wir in einer kleinen Lichtung unser Zelt auf. Hier ist auch in einem
Dreieck von Bäumen eine Schnur gespannt, die ich abnehme und einstecke. Im
größten Notfall hätte diese Schnur wohl auch als Schnürsenkel herhalten können,
wenn man ein Stück abschneidet. Es ist inzwischen 19 Uhr und machen eine
Linsensuppe zum Abendessen. Danach flüchten wir sehr bald vor den zahllosen
Mücken ins Zelt.

Während des Weges hatten wir in Betracht gezogen heute unser Abendessen zu essen, bevor wir einen Zeltplatz haben, aber diese Überlegung wurde mangels Wassers ohnehin obsolet. In Aktse ist uns aufgefallen, dass eine Naht im Schritt von Leons Hose aufgeht, und als ich die im Zelt sitzend wieder in Ordnung bringe, sind auch Nadel und Faden nicht mehr umsonst mitgekommen.
Dieser Artikel ist Teil der Reihe Kungsleden 2022.
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