Die Nacht war zum Glück tatsächlich ziemlich warm. Als wir in der Früh
aufwachen regnet es aber leider, und wir liegen deshalb noch lange herum, bis
es aufhört. Dann essen wir unser Frühstück, das endlich ein Müsli mit nicht
getrocknetem Obst drin war und beginnen zusammenzupacken. Weil wir uns nicht
beeilen, und am Morgen so lange im Zelt lagen, sind wir erst kurz vor 12, der
Check-Out-Deadline, aufbruchsbereit. Wir gehen wieder die Landstraße zurück in
den Ort hinein. Am Weg liegt das Ájtte Museum. Das Kultur, den samischen
Lebensraum, und ihre Geschichte. Das Museum wird etwa zur Hälfte von der
schwedischen Regierung finanziert, um die massiven Eingriffe in Lapplands
Flüsse in Form von Wasserkraftwerken zu kompensieren.

Das Museum ist wirklich sehr spannend, und wir lernen viel über die Samen und
ihre nomadische Lebensweise. Auch über das Lappland, und den Einfluss des
Klimawandels auf die Gletscher im Sarek et cetera erfahren wir eine Menge. Was
mich besonders erfreut ist der Raum mit den ausgestopften Vögeln, die hier
heimisch sind. So kann ich rückwirkend den einen oder anderen Vogel
identifizieren.



Wir sind bis knapp vor 14 Uhr im Museum. Danach schauen wir noch kurz zur vis à
vis gelegenen Neuen Kirche Jokkmokks. Die neugotische Kirche gibt mir nochmal
einen kleinen Kulturschock nach den 2 1/2 Wochen im Fjäll.

Danach gehen wir zum Supermarkt kaufen uns Baguettes, Käse und Naschereien und essen schnell, um den Bus um 15:00 zu erwischen. Wir sind die ersten die einsteigen, aber selbst während der Bus noch da steht steigt nur eine weitere Person ein. Bei einer anderen Haltestelle in Jokkmokk steigt dann noch ein Junge ein. Beide steigen aber aus, bevor wir in Gällivare sind, und Leon und ich hatten so geradezu ein Taxi nach Gällivare.
In Gällivare sind wir schon bei der Anreise mit dem Nachtzug durchgefahren. Hier gibt es große Eisenvorkommen, und deswegen gibt es hier auch den Bahnhof, an dem wir morgen Abend in den Nachtzug steigen werden. Um das Eisenerz abzutransportieren wurde hier ursprünglich eine Bahn von Gällivare nach Luleå gebaut. Luleå liegt am Meer, und von dort konnte das Eisen verschifft werden. Heute wird immer noch viel Eisen nach Luleå gefahren, aber mehr um es dort direkt zu verarbeiten. Der Hafen Luleå hatte nämlich das Problem, dass er 5 Monate im Jahr zugefroren war. Deshalb wurde im 1. Weltkrieg die Bahn in die andere Richtung verlängert. Über Kiruna nach Narvik. Der Hafen der dort entstanden ist liegt direkt beim Golfstrom wodurch das gamze Jahr über Eisfreiheit gewährt ist. So konnte die Rüstung im Krieg ununterbrochen mit schwedischem Eisen weiterlaufen.
Kiruna ist eine andere Besonderheit der schwedischen Eisenförderung. Die Stadt, die heute eine der größten in dem Gebiet ist, ist um den Bahnhof herum entstanden, der das Eisen aus den zwei naheliegenden Bergen abtransportiert hat. Inzwischen wurden aber diese Eisenvorkommen weitestgehend erschöpft. Man hat unter der Stadt viel Eisen entdeckt, das derzeit gefördert wird. Weil die Stadt aber wegen dieser Untergrabung vielerorts einsturzgefährdet wird, wurde kurzerhand beschlossen, die Stadt gesamt um 5 Kilometer in den Osten zu verschieben.
Hier in Gällivare angekommen machen wir nicht viel mehr als zum Campingplatz zu spazieren, und hier unser Zelt aufzubauen. Wir lesen noch ein bisschen Herr der Ringe, kochen uns was gutes zum Abendessen in der Küche. Heute ist voraussichtlich die letzte Nacht, die wir im Zelt verbringen werden. Wir freuen uns schon wieder auf Betten.
Dieser Artikel ist Teil der Reihe Kungsleden 2022.
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